FOKUS AGORA SCHUL LABOR CAMPUS THEATER LABOR FORUM

Reflexion

Expertenwissen

Häufig wird die Frage nach der Dramaturgie mit zwei bekannten Metaphern beantwortet: Die Dramaturgie sei vergleichbar mit einer „Landkarte, einem U-Bahn-Netz, einem „Stadtplan“. „Struktur“, „Form“ und „Aufbauprinzip“ sind hier Signalwörter. Das Bild ist hilfreich, da es sowohl der Offenheit des dramaturgischen Prozesses als auch der Übersichtlichkeit gerecht wird. Zudem wird der Ausgangspunkt und das Ziel fokussiert, mögliche Wege, Umwege und Abwege zwischen Ausgangs- und Endpunkt werden sichtbar. Deutlich wird ferner, dass es nicht nur einen gangbaren Weg gibt.

Als zweite Metapher wird häufig „der rote Faden“ verwendet, teilweise wird hier jedoch die Frage nach der Dramaturgie auf das Inhaltliche, das Narrative reduziert, Signalbegriffe sind hier „Handlung“, „Erzählung“, „Geschichte“.

Deutlich wird, dass neben theaterwissenschaftlichen Aspekten auf allen drei Bedeutungsebenen die Theaterwissenschaft, die literaturwissenschaftlich, motivhistorisch, rezeptionsästhetische und rezeptionshistorische Germanistik (A) oder die philosophische Disziplin der Ästhetik und Kunstphilosophie (B) eine Rolle spielen. Die Ästhetik als die Lehre vom Schönen (und Erhabenen, Anmutigen, Tragischen, Humorvollen, Idyllische etc.), vom ästhetisch Belangvollen, seiner Wirklichkeitsart, seinen Gesetzen und Normen, seinen Spielarten und Typen, seinem Verhältnis zu Natur und Kunst, seiner Entstehung bzw. Schaffen im künstlerischen Schaffen und Rezipieren ist eine philosophische Teildisziplin, welche wiederum Poetiken, Formvorgaben, Rezeptionsvorgänge, die Frage nach der Allgemein-Gültigkeit einer ästhetischen Urteilskraft etc. inkludiert.

Somit verfügt der Dramaturg über umfangreiches Expertenwissen. Unumgänglich sind folglich die theaterwissenschaftlichen und aufführungsrezipierenden Kenntnisse eines Dramaturgen, die unabschließbar zu erweitern sind. Dies erklärt, warum zahlreiche Texte über Dramaturgie oder Einführungsseminare zur Dramaturgie mit Theatergeschichte beginnen. Insgesamt weisen Einführungen, Seminare in die Dramaturgie oder Texte zur Dramaturgie demnach unterschiedliche Herangehensweisen auf:

  1. Darstellung der Geschichte des Theaters
  2. Motivgeschichte des Theaters
  3. Formgeschichte des Theaters
  4. Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte
  5. Biographien und Arbeitsweisen von Theaterschaffenden (Autor*in, Regisseur*in, Schauspieler*in, Schauspielschulen etc.)
  6. Methodenorientierte Handwerkskoffer