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Call for Papers!

Für die kommende Hybrid-Ausgabe der Zeitschrift für Theaterpädagogik laden wir ein, Beiträge einzureichen, die das Thema „THEATER UND DIGITALITÄT“ aus theaterpädagogischer Perspektive beleuchten. Diese werden im Print-Teil oder im Digitalen-Teil veröffentlicht.

# Digitalisierung

Auch wenn gesamtgesellschaftliche (digitale) Transformationsprozesse 2020 einen Turbogang einlegen mussten und der Aspekt der fortlaufenden Veränderung, welcher dem Begriff der Digitalisierung inhärent ist, spürbar ist, wird der Begriff Digitalisierung als überholt deklariert.

Niemand spricht mehr von Digitalisierung in der Begriffsbedeutung, die einen Transformationsprozess der analogen Welt beschreibt. Grund ist, dass die Vorstellung der Trennung zwischen einer analogen und einer digitalen (i.S.v. virtuellen) Welt längst überholt ist. Nur eine Grenze der Welten ist klar: Wer keinen Internet-Zugang hat, muss draußen bleiben.

# Digitalität

Der Begriff Digitalität, eine Wortschöpfung aus digital und Materialität/Realität, pointiert die zunehmende Vermischung, Verbindung und Hybridisierung beider Welten. Doch auch dieser Begriff wird schnell (zu schnell?) überholt vom Begriff der (Post-)Digitalität.

# Post-Digitalität …

zeigt sich in bereits verinnerlichten Strukturen. Digitale Infrastrukturen und die damit verbundenen Praktiken sind im Alltag implementiert. Dabei meint das Präfix „Post“, dass der Zustand der „Nachdigitalität“ erreicht ist, in dem (digitale) Technologien als selbstverständlich angesehen werden und deren Gebrauch unsere Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsmuster wie auch unserer kulturellen Praktiken und Körpermuster tiefgreifend verä̈ndert. Rasant ist gegenwärtig der rein quantitative Anstieg des Anteils der Zeit, die im Digitalen verbracht wird und der Anstieg der individuellen Tätigkeitsbereiche im Netz, verbunden mit einer digitalen Kompetenzerweiterung (aber auch Suchtpotenzial).

# Ästhetiken

Theater als ästhetische Praxis und Kulturreflexion kann in den Blick nehmen, wie sich grundlegende Veränderung in speziellen Ästhetiken niederschlagen (z.B. Remix-Ästhetiken im Sinne eines doing culture, Zoom as a stage, digital storrytelling).[1] Theaterpädagogische Projekte erproben und erforschen Darstellungsmöglichkeiten, Dramaturgien, Narrationen und Ästhetiken im Kontext von Digitalität.

Als digital natives sind junge Menschen heute in ihrer Wahrnehmung, Identiätsbildung, Körperlichkeit und Sozialität stark geprägt und beeinflusst durch die digitale Präsenz. Gleichzeitig verfügen sie über Kompetenzen und Möglichkeiten virtuelle Welten aktiv mitzugestalten. Welche neuen theatralen Gestaltungsmöglichkeiten der virtuellen Welt sollten Kinder und Jugendliche aus welchen Gründen erproben? Welche Potenziale haben „Online-Theater“, „Streaming-Premieren“, Gamification-Formate etc. aus theaterästhetischer wie bildungstheoretischer Perspektive für Bildungsprozesse? Welche Phänomene zeigt theaterpädagogisches Handeln (bzw. sollte …zeigen) in einer veränderten Kultur, in der menschliche und nicht-menschliche Spieler*innen (KI) agieren? Wie gehen die player mit einer techno-humanen Entgrenzung um? Welche Möglichkeiten bietet Digitalität bezüglich der Verknüpfung von analogen mit virtuellen Räumen? Welche Auswirkungen hat diese Verknüpfung auf das Theaterspiel?

# Praktiken und Rezeption

Sowohl hinsichtlich der Praktiken von Theater und Performance als auch der Rezeption ist eine rasante, anhaltende Veränderung auszumachen. Nur um einige Beispiele zu nennen: Einzelne digitale Elemente (KI, VR etc.) sind Bestandteil einer analogen Inszenierung. Digitale kollaborative Tools (Videotools, Etherpads, Podcasts etc.), Streaming_Theater, „FilmTheater“ zeigen das ganze Stück, die Performance „nur“ in der digitalen Welt, die Zuschauer*innen sitzen vor dem Black Mirrow und/oder haben gänzlich neue Partizipations- und Interaktionsmöglichkeiten. Ist Hybrid-Theater möglich (Zuschauer*in entscheidet sich, ob sie oder er aus der Distanz oder im Zuschauerraum die Performance rezipiert)? 2020 beobachten wir Praxis- und Rezeptionsveränderungen in Echtzeit.

# Utopien

Digitalität stellt Individuen, Gesellschaften und Staaten im 21. Jahrhundert vor die Aufgabe, ein demokratisch legitimiertes Regelsystem zu entwickeln, um die Chancen der Digitalität sinnvoll zu nutzen und Missbrauch auszuschließen. Soll theaterpädagogisches Handeln hier eine Rolle spielen? Wie können digitale Phänomene genutzt werden, um von einer Welt zu erzählen, in der wir gerne leben würden?

Vor dem Hintergrund dieser Impulse suchen wir Beiträge, …

…die (innovative) Positionen vorschlagen, Thesen aufstellen und Fragen aufwerfen, die den theaterpädagogischen Diskurs anregen, kritisch über durchgeführte Projekte reflektieren oder digitale Theater-Utopien entwerfen.

Bitte geben Sie an, ob Sie Ihren Artikel lieber analog oder digital veröffentlichen möchten. Zur analogen Arbeit schicken wir Ihnen dann ein Style-Sheet. Beiträge für den digitalen Teil werden in ein backend eingepflegt, zu dem es ein Tutorial gibt. Sie können Ihren Beitrag hier aber auch in gewohnten Formaten (jpg, mp4, docx) einreichen, Absprachen sind individuell möglich (digitale Chancen: Veröffentlichung von Video-, Audio-Dateien und weiteren digitalen Tools).

Eckdaten zum Textumfang (Zeichenzahl inkl. Leerzeichen):

  • Kurzberichte, Ankündigungen, Glossen z.B. aus den Verbänden: 500 - 700 Zeichen
  • Praxisberichte: 1000 – 3000 Zeichen exkl. Fotos
  • Wiss. Beiträge, theoretische Erörterungen und Forschungs-/Projektkonzepte: 4000 - 12000 Zeichen.

15. Januar 2021 ist die deadline für die Übersendung der Beiträge.

Mailadresse: simoneboles13@gmail.com

Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Zur besseren Koordinierung bitten wir vorab um eine Kurzinformation, wenn Sie einen Beitrag einreichen möchten.

Mit herzlichen Grüßen

Simone Boles und Prof. Dr. Wolfgang Sting


[1] Stalder, Felix (2016): Kultur der Digitalität, Berlin