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Bedeutungsebenen

Zunächst kann der Begriff „Dramaturgie“ (von griech. dramaturgia: Verfertigung und Aufführung eines Dramas) drei Bedeutungsebenen6 Bedeutungsebenen haben, die nicht immer streng voneinander zu unterscheiden sind:7 Etymologie

3 Bedeutungsebenen

1. Bedeutungsebene


Tätigkeit des Dramaturgen, der Dramaturgin
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2. Bedeutungsebene


Kompositionsprinzip, ästhetisches Gestaltungsprinzip
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3. Bedeutungsebene


Teilgebiet der Poetik
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zu 1) Die erste Bedeutung des Begriffs spielt insofern eine Rolle für Schultheaterproduktionen, als der Beruf des Dramaturgen am Stadttheater exemplarisch für Aufgabenbereiche stehen kann, welche bei der Einteilung der Spielgruppe in „Spezialteams“ hilfreich ist. Zudem wird hier die Darstellungsoption fokussiert. Dramaturgie meint hier eine rezeptionsästhetische Disziplin, die sich mit Wirkungsgesetzen, Regeln der dramatischen Effekte, die Bedeutung der (Nicht-)Identifikation des Zuschauers o.Ä. beschäftigt.

zu 2) Die zweite Begriffsbedeutung ist für Schultheaterproduktionen relevant, da jede gelungene Produktion eines ästhetischen Kompositionsprinzips bedarf. Das Kursbuch Darstellendes Spiel zeigt neun „Kompositionsmethoden“ auf, die als Prinzipien des inhaltlichen, rhythmischen, visuell/atmosphärischen Aufbaus einer Szene oder eines Stücks herangezogen werden können: Reihung, Wiederholung, Kontrastierung, Verdichtung, Steigerung, Umkehrung, Variation, Parallelführung und Bruch. Die Übersichtlichkeit der Kompositionsmethoden sorgt im Inszenierungsprozess für Klarheit, zugleich birgt die Vereinfachung jedoch die Gefahr der Statik, des „Abarbeitens“ und missachtet den künstlerisch-ästhetischen Prozess. Wer in einer Schultheaterproduktion mit einem „Handwerkskoffer trainieren“ will, läuft Gefahr, Theater auf Handwerk zu reduzieren, das Ergebnis ist ebenso statisch, wenig variabel und missachtet den besonderen Moment einer Inszenierung: Allgemein gültige Handwerksregeln und übertragbare „Methoden“ beachten zu wenig die Individualität der Spieler*innen, die Spezifik von Ort und Zeit, die Besonderheiten der Wirkungsintention und den Moment des ästhetischen Prozesses. Analogisierend überspitzt ausgedrückt: Wer mit seinen Schüler*innen nach dem Prinzip „Malen-nach-Zahlen“ arbeitet, erhält auch nur ein „Malen-nach-Zahlen-Bild“.

zu 3) In der dritten Bedeutung werden Dramaturgien auch als Anleitungen zum Verfassen oder zum Verständnis von dramatischen Texten verstanden. Bekannte Dramaturgien sind die fragmentarisch erhaltene Poetik (um 335 v. Chr.) von Aristoteles, Gotthold Ephraim Lessings Hamburgische Dramaturgie (1767–69), Passagen aus Georg Wilhelm Friedrich Hegels Vorlesungen über die Ästhetik (1835–38) oder Bertolt Brechts Kleines Organon für das Theater (1946). Texte von Augusto Boal, Peter Brook, Robert Wilson, Elfriede Jelinek etc. erweitern diesen Dramaturgiebegriff um die Anleitung zur Inszenierung von dramatischen Texten oder Nicht-Texten, wobei hier der Übergang zur Regiearbeit fließend ist.

Der Begriff „Dramaturgie“ wird in dieser Bedeutung manchmal auf das Narrativ verkürzt. Elemente und Bauformen von Mythen, Sagen, Märchen und Dramen werden seit der Antike zu Maximen verdichtet. Auf diese Weise kristallisieren sich kulturell kodierte Erzählmuster im kollektiven Gedächtnis heraus, die von Generation zu Generation weitergegeben werden und somit auch als anthropologische Prämisse gesehen werden können (Der Mensch ist ein erzählendes Wesen, „homo narrans“, Albrecht Koschorke hat dies in den „Grundzüge(n) einer Allgemeinen Erzähltheorie“ dargestellt.

Aristoteles stellte erstmals einen Zusammenhang her zwischen der Art, wie eine Geschichte erzählt wird, und dem Empfinden sowie der Lebenserfahrung des Zuschauers. Er machte damit den Rezipienten zum Bezugspunkt der Dramaturgie. Häufig wird die Frage nach der Dramaturgie mit einer Darstellung und/oder Deutung der Theatergeschichte seit Aristoteles beantwortet.

Hier will kein historisch spezifischer Formtyp normativ verabsolutiert werden o.Ä., sondern es wird versucht, den Diskurs um die „Dramaturgie“ transparenter zu machen.